Generalkonsulat der Ukraine in Frankfurt am Main

Kyiv 21:17

8. Mai - Tag des Gedenkens und der Versöhnung

08 Mai, 13:07

Am 8. Mai 2018 gedenkt die Ukraine gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft der Opfer des Zweiten Weltkrieges und aller Kämpfer gegen das nationalsozialistische Regime und begeht den 73. Jahrestag des Endes dieses grausamen Krieges.

 

Aus diesem Anlass erinnern wir an den besonderen Beitrag der Ukrainer zum Sieg über den Nationalsozialismus sowie den hohen Preis, den das ukrainische Volk dafür zu zahlen hatte.

 

Die Ukraine war einer der Hauptschauplätze des Zweiten Weltkriegs. Verschiedene Teile des Territoriums der heutigen Ukraine waren von 1939 bis 1944 von deutschen Truppen besetzt.

 

Sechs Millionen Ukrainer kämpften in den Reihen der Roten Armee, 120.000 bei den polnischen Streitkräften, 100.000 bei der Ukrainischen Aufstandsarmee UPA, 80.000 in der US-Armee, 45.000 bei der britischen Armee, 6000 in der französischen Armee.  

 

Über drei Millionen ukrainischer Rotarmisten fielen oder starben direkt an den Folgen des Krieges, dazu bis zu fünf Millionen Zivilisten, darunter anderthalb Millionen ukrainische Juden, die Opfer einer gezielten deutschen Mordkampagne wurden. Insgesamt kam jeder vierte Einwohner der Ukraine in den Kriegsjahren um.

 

Der amerikanische Historiker Timothy Snyder formuliert wie folgt: Der Sinn des Zweiten Weltkriegs, aus Hitlers Perspektive, war die Eroberung der Ukraine. Es macht daher keinen Sinn, irgendeines Teils des Zweiten Weltkrieges zu gedenken, ohne mit der Ukraine zu beginnen. Jedes Gedenken des 2. Weltkrieges, in dem es um die Absichten der Nazis, die ideologischen, wirtschaftlichen und politischen Absichten des Naziregimes geht, muss genau mit der Ukraine beginnen.“


In der europäischen Erinnerungskultur an den Zweiten Weltkrieg spielt die Ukraine bis heute leider eine sehr untergeordnete Rolle. Besonders schmerzhaft wird das deutlich, wenn einige schlecht informierte Deutsche im Kontext der militärischen Aggression Russlands gegen die Ukraine seit 2014 unter Berufung auf eine historische Verantwortung vordergründig gegenüber Russland Verständnis oder gar Solidarität für die aggressive und völkerrechtswidrigen Politik der russischen Führung einfordern.

 

In der Ukraine wird der 8. Mai seit 2014 im Zeichen der europäischen Gedenkkultur als „Tag des Gedenkens und der Versöhnung“ begangen und der 9. Mai als „Tag des Sieges“ im Zweiten Weltkrieg, der von 1939 bis 1945 dauerte. Bewusst haben wir damit auch mit der machtpolitisch instrumentalisierten sowjetischen Erinnerungskultur gebrochen. Diese verleugnete mit ihrem Heldenkult um den „Großen Vaterländischen Krieg“ (1941-1945) die Mitverantwortung der sowjetischen Machthaber, die von 1939 bis 1941 im Hitler-Stalin-Pakt und dem „Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag“ vor den Augen der Welt mit Hitler-Deutschland verbündet waren.